Die Geschichte unseres Hauses

Von der Landwirtschaftsschule zur Oberschule –
Modernes Praxislernen in Dahmes historischem Schulgebäude

Eine Schule in einer landwirtschaftlich geprägten Umgebung war lange Wunsch der Dahmenser. Nach Gründung einer agrikulturchemischen Versuchsstation und Eröffnung einer Ackerbauschule Mitte des 19. Jahrhunderts, wurde 1876 die Landwirtschaftsschule eröffnet. Von Anfang an standen auch praktische Tätigkeiten der Schüler im Fokus: Die Schule bot unter anderem landwirtschaftliche Versuchsfelder (ca. 3000 qm) und ein gute Ausstattung mit Lehrmitteln und technischen Geräten. Ende der 1920er Jahre hatte sie einen guten Ruf als Bildungsstätte für spätere Landwirte, Gärtner, Förster usw. Inzwischen

kamen auch Töchter aus Bauernfamilien zum Hauswirtschaftsunterricht. Während des Dritten Reiches sollten dann alle Landwirtschaftsschulen umgewandelt oder aufgelöst werden. Die neue „von Lochow‐Schule“ wurde eine Oberrealschule und man begann mit Aufbaulehrgängen für zukünftige Lehrer.

Nachdem die Schule im Zweiten Weltkrieg dann als Lazarett diente, wurde sie im Herbst 1945 als Volksschule wiedereröffnet. Der Schulbetrieb blieb auch in der DDR weiterhin polytechnisch orientiert.

Nach der Wende wurde die Schule zur Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe. Viele hunderte Schüler legten hier ihr Abitur ab. Doch aufgrund stark sinkender Schülerzahlen brach die gymnasiale Oberstufe allmählich weg und auch die Gesamtschule stand kurz vor der Schließung. Im Jahr 2007 wurde der letzte Abiturjahrgang verabschiedet. Das neue Oberschulgesetz des Landes Brandenburg sowie ein neues Konzept erweckten die Schule 2008 dann zu neuem Leben.

Schwerpunkte des neuen Konzepts der heutigen „Otto‐Unverdorben‐Oberschule“ waren berufsnahes Praxislernen, vielfältige Ganztagsschulangebote und die Integration von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Diese Konzept hat sich bewährt: 235 Schüler aus fast 80 Ortschaften werden in 12 Klassen unterrichtet. Das „Praxislernen“ steht in allen vier Jahrgängen im Vordergrund. Nach einem Bausteinprinzip erhalten alle Schüler Einblicke in die Berufs‐ und Arbeitswelt. Das heißt, dass junge Menschen der Stadt und der Region Firmen, Betriebe und Gewerbetreibende besuchen, sie bei ihrer Tätigkeit unterstützen und Ausbildungsplätze ansteuern. Immer wieder sind auch Praktika‐ und

Ausbildungsplätze in landwirtschaftlichen Betrieben gefragt. Viele praxisorientierte Arbeiten können auch, unter Mithilfe von Partnern, auf dem Schulgrundstück durchgeführt werden. Unsere schuleigene „Firma“, das Schülercafé, wird sehr gern angenommen, denn die Schüler erwerben viele Kompetenzen, die für die berufliche Entwicklung von Vorteil sind. Im Unterricht und in der Freizeit werden Pflegeaufträge erfüllt, Blumenrabatten angelegt und gepflegt und Blumenkübel gebaut und bepflanzt. Neuestes Projekt ist das Pflanzen von Laubbäumen auf dem Schulgrundstück. Nicht zu vergessen ist die Nutzung einer

Schülerküche für den Fachunterricht oder im Ganztagsbetrieb. Ohne Unterstützung durch die Amtsverwaltung Dahme/Mark, die Stadtverordneten, über 100 Betriebe sowie den Förderverein der Schule wäre eine solche Praxisarbeit nicht möglich.

Uns als kommunaler Bildungsinstitution ist es wichtig mit unserem Bildungsangebot dazu beizutragen die Jugend in unserer schönen Region zu halten. Dahme/Mark soll für sie nicht nur eine Wohn‐ oder Schlafstadt sein. Wir wollen sie hier aufwachsen sehen und dies ist nur möglich, wenn die Jugend auch hier in der Region Ausbildungs‐ bzw. Arbeitsplätze findet und ihre Freizeit verbringen kann. So freuen wir uns, dass viele ehemalige Schüler, wie auch Lehrer und technische Kräfte gerne ihre alte Wirkungsstätte besuchen.

 

Henri Kuhl, Schulleiter